Interview

Mit ihrem Blog wandernd.de hat Ilona ein echtes Mekka für Fans des Reisens geschaffen. Die gebürtige Fränkin, eine reiselustige und fotografiefreudige Historikerin, stellt in ihrem Blog tolle Reiseziele und ihre persönlichen Erlebnisse vor, immer wieder mit einem Fokus auf die Geschichte(n) hinter den besuchten Orten.

Ilona von Wandernd.de

Ilona zu Beginn möchten unsere Leserinnen und Leser dich gerne kennenlernen. Stell uns gerne vor, wer Du bist und was du machst?

Ich bin Ende 30 und stamme ursprünglich aus dem schönen Bamberg. Nach einigen Jahren in Wien und einem Intermezzo in Niederbayern bin ich jetzt seit einigen Jahren in München.
Dass ich die ersten zwei Drittel meines Lebens in Bamberg verbringen durfte, hat mich tatsächlich ziemlich geprägt: Nicht nur, dass ich deshalb eine große Bier-Liebhaberin und bei Bier sehr kritisch bin, auch mein ästhetisches Empfinden wurde dadurch geprägt. Erich Kästner schrieb über seine Heimatstadt Dresden: „Wenn es zutreffen sollte, dass ich nicht nur weiß, was schlimm und hässlich, sondern auch, was schön ist, so verdanke ich diese Gabe dem Glück, in Dresden aufgewachsen zu sein“ – dasselbe könnte ich auch über mich und Bamberg sagen.

Da ich auch noch Historikerin bin, sind historische Städte mit viel Altbestand meine präferierten Urlaubsdestinationen.
Da ich kein Auto fahre, mache ich so gut wie alle meine Urlaube mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

In deinem Blog wandernd.de nimmst Du alle Webseitenbesucher mit auf deine Reisen. Was ist die Idee und das Besondere in deinem Blog?

Das Stichwort „Geschichte“ ist schon gefallen. Ursprünglich begann mein Blog, wie so viele Reiseblogs, eher tagebuchartig. Im Laufe der Zeit habe ich mich mehr und mehr meinen Leidenschaften in Bezug auf Geschichte, Kunst, Literatur und Kultur allgemein gewidmet.

Wer mehr historische Hintergründe über die Reise- und Wanderziele erfahren möchte oder sich allgemein einfach für Geschichte interessiert und nicht nur Listen mit „Must-Dos“ zum Abhaken sucht, der ist bei mir richtig.

Das ist wirklich spannend. Auch mit dem Nachtzug hast Du ja schon viel Erfahrung. Möchtest Du unseren Leserinnen und Lesern erzählen, welche Nachtzüge du schon alle genutzt hast?

Ich vermeide es gerade in den letzten Jahren zunehmend, innerhalb Europas zu fliegen. Es ist erstaunlich, welche Ziele mit dem Zug erreichbar sind – ohne größeren Zeitverlust.
Mit dem Nachtzug war ich bisher in Ungarn und Rumänien, bin durch Tschechien nach Dresden gefahren und war häufig in Italien.
Ansonsten nutze ich natürlich auch Züge, die tagsüber fahren (etwa nach Paris oder London). Ich hoffe, dass hier das Nachtzugangebot in den kommenden Jahren noch weiter ausgebaut wird. Ein von Deutschland aus durchfahrender Nachtzug nach Spanien wäre zum Beispiel klasse.

Blick aus dem Nachtzugfenster

Ilona hat einen typischen Blick aus dem Fenster eines Nachtzugs festgehalten.

Wie waren deine Erfahrungen? Was macht für dich die Reise im Nachtzug aus?

Tatsächlich finde ich Nachtzüge die ideale Anreise-Form. Man reist umweltfreundlicher und verliert dennoch kaum Zeit. Man spart sich eine Übernachtung im Hotel und hat einen ganzen Tag vor sich, wenn man ankommt. Zudem kommt man mit dem Zug auch mitten in der Stadt an und spart sich den ganzen Weg vom Flughafen in die Stadt. Das ist häufig ein großer Zeitgewinn, den viele gar nicht wahrnehmen.

Außerdem finde ich Nachtzugfahren wirklich gemütlich.

Hast Du für unsere vielleicht unerfahrene Nachtzug-Reisende Tipps & Tricks für die erste Fahrt?

Nachtzüge sind zwar meist ziemlich pünktlich, aber dennoch sollte man einplanen, dass auch dieser Zug mal verspätet sein kann. Ihr solltet also etwaige Anschlusszüge oder Termine nicht allzu knapp buchen.
Ich würde zudem, sofern es das Budget erlaubt, die paar Euro mehr in die Hand nehmen und mindestens einen Liegewagen buchen. Der Komfort ist ungleich größer. Als Studentin bin ich natürlich auch im Sitzabteil gefahren – aber heute, mit fast 40, dankt es mir mein Kreuz, wenn ich liege. Eine Augenmaske und Ohrstöpsel können hilfreich sein. Und Feuchttücher für die schnelle Wäsche zwischendurch sollte man auch dabeihaben.

Nachtzüge kann man bis zu sechs Monate im Voraus buchen. Je früher man bucht, desto günstiger sind die Tickets. Und man kann, wenn man Glück hat, sogar ein eigenes Schlafabteil für einen guten Preis bekommen.
In Schlafabteilen muss man auch als alleinreisende Frau keine Bedenken bezüglich der Sicherheit haben. In Sitzabteilen sollte man wegen Diebstählen vorsichtiger sein. Hier trage ich Ausweis und Geld direkt am Körper und meinen Koffer hänge ich immer mit einem Fahrradschloss am Gepäckfach fest.

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Insbesondere Italien hast Du ja wirklich schon kreuz und quer mit dem Zug bereist. Erzähl uns, wo warst Du überall?

Mit dem Zug bin ich bis an den Golf von Neapel gekommen. Nördlich davon war ich mehrfach in der Toskana, in Rom, in verschiedenen Städten Venetiens und in Bologna unterwegs.

So sieht der Nachtzug aus

So sieht es aus, wenn Ilona im Nachtzug unterwegs ist.

Hast Du einen Lieblingsort in Italien, der mit Nachtzügen gut zu erreichen ist?

Venedig ist sehr angenehm mit dem Nachtzug zu erreichen. Um 23.20 Uhr geht es in München los und um halb 9 in der früh ist man in Venezia Santa Lucia. Wenn man ankommt, ist die Stadt noch nicht überfüllt von Tagestouristen, denn die trudeln meist erst danach ein. Das heißt, man kann ganz entspannt in einer Bar frühstücken und danach sein Gepäck im Hotel abgeben. Und dann startet man auch schon in seinen ersten Urlaubstag.

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Welche Tipps hast Du für unsere Leserschaft für das Bahnreisen in Italien?

Zugfahren ist in Italien sehr komfortabel und günstig. Wenn man mit dem Zug nach oder in Italien fahren möchte und über DB oder ÖBB keine guten Tickets mehr bekommt, lohnt sich immer ein Blick auf die trenitalia-Webseite.
Das Zugnetz ist sehr gut ausgebaut. Schnellzüge (die sogenannten „Freccie“) verbinden die großen Städte und die kleinen Städte sind dann mit Regionalzügen gut zu bereisen. Zudem gibt es noch eine Menge lokale Bahnunternehmen.

Tickets müssen in Italien fast immer entwertet werden („validare“). Dazu gibt es kleine Automaten an den Gleisen, wo man das Ticket abstempeln kann. Wer sein Ticket nicht entwertet, fährt schwarz und muss Strafe zahlen. Zwar sind die italienischen Schaffner meistens kulant, wenn ihnen ein verwirrter Tourist gegenübersteht, aber im Zweifelsfalle sollte man lieber abstempeln.

Es gibt aber noch mehr Dinge, die man beachten sollte. Ich habe eine ganze Menge Tipps für Bahnreisende in Italien* zusammengestellt. Darin auch viele Tipps für lohnenswerte Bahn-Reiseziele.

Italien hat gerade erste Lockerungen nach harten Einschränkungen angekündigt. Planst Du auch schon wieder eine Reise?

In meinem Kopf bin ich immer mit der Planung einer Reise nach Italien beschäftigt und natürlich scharre auch ich schon mit den Hufen, um wieder einen Zug in Richtung Süden zu besteigen. Aufgrund meines Fernstudiums wird dies aber wohl nicht vor August möglich sein.
Und ich habe auch noch nicht ganz entschieden, wo es hingehen soll: Vielleicht ins Latium oder nach Umbrien. Beide stehen schon lange auf meiner Liste.

Vielen Dank für deine Zeit & allzeit gute Reise 😊

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