Interview

Als Gründerin des Blogs teilzeitreisender.de ist Janett eine echte Expertin für Kurzzeitreisen in Deutschland und Europa. In unserem Interview erzählt sie von ihrem Projekt und ihren Erfahrungen mit Nachtzug Reisen.

Janett, vielleicht kennen dich noch nicht alle von unseren Webseiten-Besuchern. Willst Du vielleicht zu Anfang einmal erzählen, wer Du bist und was du machst?

Okay, wo soll ich anfangen. Ich bin Janett, Anfang 40, schreibe seit 2013 auf teilzeitreisender.de (ext. Link) über Kurzreisen. Durch meinen Job an der Universität Düsseldorf war für mich schon früh klar: Ich kann und will keine Weltreise machen. Wie also die Welt entdecken? Ich habe schnell gemerkt, dass mit einer Stundenreduktion das Gehalt immer noch stimmt und ich mehr Zeit zum Reisen und Schreiben habe. Ich will zeigen, dass auch Touren ins Umland spannend sein können.

Dein Reiseblog Teilzeitreisender.de ist ein echter Erfolg. Erzähl uns etwas darüber, was den Blog so besonders macht.

Danke für die Blumen! Bei über 3000 Reiseblogs allein im deutschsprachigen Bereich ist die Auswahl an spannenden Berichten und auch die Konkurrenz recht groß. Ich biete jedoch in mittlerweile über 1100 Artikeln eine große Vielfalt an Themen rund um Kurzreisen und habe mich deshalb zu einem Experten rund um Wochenendreisen, Städtetrips und Ausflugsziele in NRW und Thüringen entwickelt. Wir haben Schwerpunkte wie das Thema Mädelswochenende und Touristenkarten für uns entdeckt über die noch nicht so viel auf deutschen Reiseblogs zu lesen war.

Natürlich möchten wir mit dir gerne über das Thema Nachtzüge sprechen. Viele unserer Webseitenbesucher haben tolle Kindheitserinnerungen an Reisen im Nachtzug. Was ist deine erste Erinnerung an Nachtzüge?

Tatsächlich bin ich in Sachen Nachtzug ein ziemlicher Spätzünder. Ich bin zwar in einer Bahnerfamilie aufgewachsen und bin sehr viel Bahn gefahren – unsere Touren waren jedoch überwiegend tagsüber. Meine erste Nachtzugreise ging daher auf meine „Nachtzugstammstrecke“ – dem EN 421 von Köln nach Wien. Beim „ersten“ Mal bin ich in Passau ausgestiegen und habe in einem 6er Liegewagen geschlafen. Wobei – geschlafen habe ich auf dieser Tour kaum. Die ungewohnte Umgebung, wildfremde Menschen um mich herum und das ständige Bremsen der Bahn ließ mich in dieser Nacht eher schlaflos zurück. Dafür rutschte mein Kopfhörer seitlich auf die Liege der Person unter mir – es war ein abenteuerliches Unterfangen diesen in der Dunkelheit wiederzubekommen.

Janett mit Kamera

Wie es sich für eine Bloggerin gehört hat Janett auch im Nachtzug immer die Kamera dabei. Bildrechte Janett Schindler

Wie viele Reisen im Nachtzug hast Du seitdem erlebt und wohin gingen die Reisen?

Ich bin mittlerweile an die 14 Mal mit dem Nachzug gefahren. Auf meiner Stammstrecke nach Wien bin ich gut 10 Mal unterwegs gewesen und auch den City Night Line habe ich 4 Mal quer durch Deutschland genutzt. Nach der Pandemie steht auf jeden Fall die Nachtzugfahrt nach Schweden an und ich hoffe, dass ich auch mal mit dem Nachtzug nach Lissabon fahren kann.

Gibt es einen ganz besonderen Moment oder ein Erlebnis im Nachtzug an das Du dich gerne zurück erinnerst?

Es gibt einige schöne Momente an die ich mich im Nachtzug zurück erinnere. Da war eine Tour mit Jana von sonne-wolken.de, mit der ich mir eine ÖBB Deluxe Kabine geteilt habe. Mit einer Dusche und eigener Toilette war das wirklich entspannt und auch das Frühstück war durchaus empfehlenswert. Einmal hatte ich eine Liegekabine mit einer Künstlerin aus Graz, die einiges über ihre Arbeit erzählte und einmal fuhr mit mir eine Archäologin Richtung Düsseldorf zurück und erzählte mir von ihrer spannenden Arbeit in der Nähe von Xanten.

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In Eurem Blog stellt ihr viele wirklich wunderschöne Orte in Deutschland vor. Hast Du einen Lieblingsort zu dem Du immer wieder gerne reist oder reizt dich immer wieder etwas Neues zu erleben?

Es gibt beides. Es gibt Orte die besuche ich immer wieder gerne. Dazu gehören Hamburg und Magdeburg in Deutschland und Lissabon sowie London in Europa. Ich bin jedoch auch immer wieder gespannt auf neue Abenteuer. Mittlerweile gibt es viele Dinge, die ich bewusst in einer Stadt aufsuche: Kirchtürme, Botanische Gärten oder aber auch Bibliotheken und vieles was ich dann entdecke wenn ich wie planlos durch die Straßen streune.

Welche Vorteile siehst Du bei der Reise im Nachtzug?

Der wichtigste Grund ist die Umwelt. Mit dem Zug reisen ist schlichtweg ökologisch. Bei meiner ersten Reise war es jedoch auch der finanzielle Aspekt. Ich habe in der Nacht ein Hotelzimmer in Passau gespart und konnte frühmorgens rechtzeitig bei einem Termin sein. Ich hoffe, dass in der Zukunft Nachtzugfahren erschwinglicher wird – denn leider kostet eine Kabine mit mehr Komfort oft mehr als ein Flug. Ach und noch ein Aspekt für alle Berufstätigen hat es: Man verliert keinen (Urlaubs-) Tag für eine lange Reise. Abends um 22 Uhr geht die Reise oft erst los und morgens ist man früh am Ziel.

Unterwegs im Zug

So wird man doch gerne im Nachtzug begrüßt. Bildrechte Janett Schindler

Als Expertin für Reisen möchten wir natürlich gerne von Dir wissen, wie es ist als Frau alleine im Nachtzug zu reisen? Welche Erfahrungen hast Du gemacht?

Bisher bin ich immer alleine gefahren und hatte eigentlich nur abends am Bahnhof komische Begegnungen. Dennoch war meine erste Tour im gemischten Liegeabteil schon etwas seltsam. Für mich war es komisch mit wildfremden Leuten eine geschlossene enge Kabine zu teilen. Die Liege im 6er Abteil war beengt, es waren drei weitere Frauen und zwei weitere Männer in der Kabine. Angst hatte ich unnötig – denn alle waren an ihrer Nachtruhe interessiert. Bei einer weiteren Reise hätte ich mir die Kabine alleine mit zwei Männern teilen sollen – eine kurze Frage beim Schaffner genügte und ich hatte eine Liegekabine für mich alleine. In den Schlafwagen wird nach Geschlechtern getrennt – dort habe ich immer gute Erfahrungen gemacht. Die Deluxekabinen sind oft so teuer, dass sie nicht so stark ausgebucht sind und man alleine schläft – herrlich.

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Hast Du Tipps für unsere Leserinnen, damit sie sich auf zukünftigen Nachtzug Reisen wohl fühlen?

Das Nachtzugfahren ist eine der sichersten Arten des Reisens. Ich würde allen Frauen jedoch empfehlen abends nicht unbedingt alleine am Bahnhof zu warten. Wenn ihr könnt dann nehmt so spät abends eine Begleitung mit. Ich verzichte bei Nachtzugreisen auch auf Wertsachen – auch deshalb weil man frühmorgens manchmal verpeilt vergisst was einzupacken. Außer bei Deluxekabinen ist das Klo und die Waschbecken außerhalb der Kabine – ihr könnt euer Schlafgemach jedoch von außen verschließen. Nehmt euch ein paar Schlappen/Hausschuhe von zu Hause mit und auch ein dünner Morgenmantel ist nicht schlecht – wenn ihr nicht in kurzen Sachen durch das halbe Zugabteil laufen wollt. Übrigens: Wenn es Probleme gibt – ein Schaffner/eine Schaffnerin ist jederzeit ansprechbar.

Auch wenn es gerade natürlich alles andere als einfach ist – hast Du schon deine nächste Reise geplant? Wo soll es hin gehen?

Ich fahre gemeinsam mit meinem Freund mit dem Auto in den Schwarzwald. Dieses Jahr haben wir uns auf Deutschland geeinigt – ich hoffe, dass wird sich im nächsten Jahr ändern. Ich freue mich schon auf Schweden im Nachtzug!

Vielen Dank für deine Zeit & allzeit gute Reise 😊

Für alle, die noch mehr von Janett lesen möchten:

Janett hat bereits einen spannenden Erfahrungsbericht zur Reise im Nachtzug von Köln nach Wien geschrieben, den Du dir hier (ext. Link) ansehen kannst.